Murnau-Stiftung –
Ein Leuchtturm des Filmlandes Hessen
![]() |
Foyer des Deutschen Filmhauses: Das Deutsche Filmhaus kann für Veranstaltungen gemietet werden. |
Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt und die Pflege eines Großteils des deutschen Filmerbes ein. Ihre einzigartigen Bestände öffentlich zugänglich zu machen, gewinnt seit Jahren an Bedeutung und wird die Arbeit auch künftig zunehmend prägen. Als bundesweit bedeutende und international renommierte Einrichtung trägt sie maßgeblich zur Stärkung des Filmlandes Hessen bei. Seit 2009 betreibt die Murnau-Stiftung das von ihr erbaute Deutsche Filmhaus im Zentrum von Wiesbaden, unter dessen Dach bedeutende Firmen und Einrichtungen der Film- und Medienbranche ansässig sind.
Mit dem modernen Büro- und Verwaltungskomplex eröffneten sich für die vorher in Wiesbaden-Erbenheim ansässige Stiftung neuartige Zukunftsperspektiven: Damit rückt sie von der Peripherie ins Zentrum und ist nunmehr in der Lage, ihre Arbeit unmittelbar der Öffentlichkeit zu präsentieren. Seit April 2009 bietet die Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut im Murnau-Filmtheater einen regelmäßigen Kinobetrieb und präsentiert Ausstellungen für das filminteressierte Publikum. Das Deutsche Filmhaus wird als Veranstaltungsort unter anderem für Festivals und Symposien genutzt. Der moderne Kinosaal mit 100 Plätzen und der Multifunktionsbereich können von allen Mietern des Hauses genutzt sowie von externen Veranstaltern angemietet werden.
Der mit insgesamt 7,2 Millionen Euro budgetierte Bau wurde vom Land Hessen mit 1,85 Millionen Euro gefördert, die Stadt Wiesbaden hatte das Grundstück zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt und leistete darüber hinaus eine Bauzuwendung.
Mit dem 2006 beschlossenen und innerhalb von knapp drei Jahren umgesetzten Bauprojekt ist es gelungen, zwei weiteren bundesweit bedeutenden Einrichtungen an ihrem traditionsreichen Standort Wiesbaden optimale Arbeitsbedingungen zu ermöglichen: Im Kino und den modernen Sichtungsräumen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) finden die Prüfungen für Filme, Videokassetten und sonstige Bildträger (zum Beispiel DVDs) statt, die in Deutschland für die öffentliche Vorführung beziehungsweise Zugänglichmachung vorgesehen sind. Dabei werden die bekannten Altersschutz-Freigaben festgelegt. Auch die SPIO – Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V., die als Dachverband von derzeit 16 Berufsverbänden der deutschen Film-, Fernseh- und Videowirtschaft über 1.100 Mitgliedsfirmen repräsentiert, zog an den neuen Standort.
![]() |
Die im Jahr 2001 restaurierte Fassung des Stummfilms METROPOLIS gehört zum Weltkulturerbe. |
Zur Murnau-StiftungOberstes Gremium der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung ist das Kuratorium, dem fünf stimmberechtigte Vertreter der privaten Filmwirtschaft sowie zwei Vertreter der öffentlichen Hand angehören. Die Delegierten der Filmwirtschaft werden aus den Sparten Produktion, Verleih, Filmtheater, Technik und Export in das Kuratorium entsandt. Die Interessen der öffentlichen Hand nehmen Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst für die Kultusministerkonferenz der Länder wahr.
Wichtigstes Stiftungskapital ist der einzigartige, in sich geschlossene Filmstock, der Kopien und Materialien der ehemaligen Produktionsfirmen Ufa, Universum-Film, Bavaria, Terra, Tobis und Berlin-Film – samt der damit verbundenen Rechte – aus über sechs Jahrzehnten deutscher Filmproduktion umfasst. Der kultur- und filmhistorisch herausragende Bestand reicht vom Beginn der Laufbilder bis zum Anfang der 1960er Jahre und umfasst 2.000 Stummfilme, 1.000 Tonfilme und rund 3.000 Kurz-, Werbe- und Dokumentarfilme.
![]() |
Die Nibelungen: Siegfried badet in Fafnirs Blut, um unverwundbar zu werden. |
Die Auswertung des Murnau-Filmstocks übernimmt die Transit Film GmbH, die im Deutschen Filmhaus ein Büro unterhält. Das in München ansässige, bundeseigene Unternehmen betreibt den gewerblichen Kinoverleih, den Lizenzhandel mit in- und ausländischen TV-Sendern sowie mit Video- beziehungsweise DVD-Vertriebsfirmen.
Konservieren und Restaurieren
Das Konservieren und Restaurieren ihrer Bestände zählt seit Gründung der Stiftung zu den wichtigsten Aufgaben. Verlust, Verstümmelung, Verfall und Verschleiß stellen traditionell die größten Gefahren für Filme dar. Da es in der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen Ländern keine generelle Pflichthinterlegung für alle im Kino laufenden Filme gibt, ist nur noch ein Teil des filmkulturellen Erbes erhalten – dabei gelten nicht nur Filme aus der Stummfilmzeit als „verschollen“. Daher zählte die konservatorische Sicherung von Filmen zu den ersten Aufgaben der Stiftung in den 1960er Jahren, deren Arbeit in diesem Bereich es häufig erst ermöglicht, dass zahlreiche bedeutende historische Filme noch erhalten bleiben und gezeigt werden können.
Das bereits angebrochene digitale Zeitalter stellt eine doppelte Herausforderung dar: Zum einen sind Restaurierungen in bis dahin ungeahnter Qualität möglich, zum anderen wird sich die derzeit anlaufende digitale Umrüstung der Kinoprojektion auf die Auswertung der Bestände auswirken. Den heute größtenteils auf analogem Filmmaterial befindlichen Bestand auf digitalen Verbreitungsmedien verfügbar zu machen, zählt daher zu den zentralen Zukunftsaufgaben. Dabei setzt die Stiftung auf die Nutzung digitaler Technologien und kooperiert mit führenden Unternehmen der Branche.
Zwei aufwändige Restaurierungsprojekte werden im Jahr 2010 abgeschlossen: Fritz Langs zweiteiliger Monumentalfilm DIE NIBELUNGEN, der mit neuer Musikfassung im April 2010 Premiere feiert, sowie der Stummfilmklassiker METROPOLIS – ebenfalls von Fritz Lang –, dessen restaurierte Fassung von 2001 in das Memory of the World Register der UNESCO aufgenommen wurde und die nun erneut bearbeitet wurde.
Die in Buenos Aires wiederentdeckte Fassung von METROPOLIS enthält rund 25 Minuten bisher verschollen geglaubtes Bildmaterial, das in den vergangenen Monaten restauriert und in die bestehende Fassung integriert wurde. Die so bearbeitete Fassung feierte am 12. Februar zeitgleich in Frankfurt und in Berlin ihre Welturaufführung.
Zum Bestand gehören Filme weiterer bedeutender Regisseure wie Ernst Lubitsch, Detlef Sierck, Helmut Käutner, Wolfgang Staudte und Friedrich Wilhelm Murnau, dem Namensgeber der Stiftung. Zu den bekanntesten Titeln gehören etwa DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1919/20), DIE NIBELUNGEN (1922–24), DER BLAUE ENGEL (1929/30), DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930), MÜNCHHAUSEN (1942/43) und GROSSE FREIHEIT NR. 7 (1943/44).
![]() |
Das Murnau-Filmtheater im Deutschen Filmhaus. |
Bildung und VermittlungZum Auftrag der Murnau-Stiftung gehört die Förderung filmischer und politischer Bildungsarbeit, ihre Archive stehen der Allgemeinheit zur Verfügung. In der filmischen und politischen Bildungsarbeit in Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung arbeitet die Murnau-Stiftung mit dem Institut für Kino und Filmkultur zusammen. Traditionell bietet die Stiftung vielfältige Unterstützung für wissenschaftliche Arbeiten, so sind die unterschiedlichen Bestände systematisch erfasst und recherchierbar. Darüber hinaus kooperiert sie mit nationalen und internationalen Partnern aus dem filmkulturellen Bereich wie Filmmuseen bei Ausstellungen und Publikationen oder Stummfilm-Festivals.
Kurzfilmpreis
Einen Beitrag zur Zukunft der Filmkultur und damit auch zur Förderung junger Talente leistet die Murnau-Stiftung mit ihrem Kurzfilmpreis, den sie seit 1994 vergibt. Idee des Kurzfilmpreises ist es, die Herstellung von publikumswirksamen deutschen Kurzfilmen mit besonderer Kinoeignung und einer Laufdauer von drei bis 15 Minuten zu fördern. Bis zu zehn Filme können mit diesem Preis pro Jahr ausgezeichnet werden, der traditionell in der Caligari FilmBühne feierlich vergeben wird.
Nicht nur wegen seines Preisgeldes von insgesamt 20.000 Euro pro Jahr zählt der Murnau-Kurzfilmpreis zu den bundesweit begehrtesten Auszeichnungen dieser Art: Neben dem Deutschen Kurzfilmpreis, dem Kurzfilmpreis der Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis zählt er als Referenzkriterium für die FFA-Kurzfilmförderung. Der Kurzfilmpreis-Jury gehören jeweils zwei Vertreter der Fachverbände für Filmtheaterwirtschaft und Kurzfilmproduktion an, das fünfte Jury-Mitglied ist der Kuratoriumsvorsitzende der Murnau-Stiftung.
Von SCHWARZFAHRER (ausgezeichnet 1994, Regie und Buch: Pepe Danquart) über den Trickfilm QUEST (1996, Tyson Montgomery) bis Spielzeugland (D 2008, Jochen Alexander Freydank), die jeweils mit dem Academy Award (Oscar) ausgezeichnet wurden, reicht die Liste der bisherigen 146 ausgezeichneten Kurzfilme. Dazu zählen frühe Arbeiten von damals noch unbekannten, heute erfolgreichen Filmschaffenden wie Fatih Akin (Getürkt, 1997) und Florian Henckel von Donnersmarck (Der Templer, 2003). Auch Kurzfilme von etablierten Regisseuren wie Wim Wenders, der gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für Film und Fernsehen München für Die Brüder Skladanovsky – Erster Akt (D 1994) ausgezeichnet wurde, oder Tom Tykwer, der für die Episode True (2005) zum filmischen Kompilationsprojekt Paris je t’aime prämiert wurde, finden sich in den Preisträger-Listen.
Kontakt:
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Murnaustraße 6
65189 Wiesbaden
Telefon +49 (0) 611 97708-0
Telefax +49 (0) 611 97708-19
info(at)murnau-stiftung.de
www.murnau-stiftung.de






